Skip to main content

Heilpädagogische Familienhilfe im Sozialrecht

Heilpädagogische Familienhilfe wird als Angebot einer umfassenden Unterstützung und Begleitung von Familien bekannter. Gleichzeitig lässt sich diese sozialrechtlich nicht eindeutig festlegen. Heilpädagogische Familienhilfe wird sowohl aus der Kinder- und Jugendhilfe als auch aus der Eingliederungshilfe als auch in einer Verbindung aus beiden Sozialgesetzbüchern erbracht.

Vor diesem Hintergrund und in Verbindung mit der Leitlinie, nicht zwischen behinderungsbedingten und erzieherischen Bedarfen zu unterscheiden, stellt die Heilpädagogische Familienhilfe einen bedeutsamen und innovativen Baustein einer inklusiven Kinder- und Jugendhilfe dar.

Ein fundiertes Verständnis der sozialrechtlichen Verortung und Fassung Heilpädagogischer Familienhilfe ist aus diesen Gründen von hoher Bedeutung. Mit diesen Aspekten setzt sich das Modul intensiv auseinander.

Sie haben die Möglichkeit, sich folgende Kompetenzen zu erarbeiten:

  • das gegliederte Sozialsystem kennen,
  • das sozialrechtliche System entlang des Spannungsfeldes „Individualanspruch versus Infrastrukturhilfe“ beschreiben,
  • im Leistungsrecht des SGB VIII die Hilfen zur Erziehung sowie die Teilhabeleistungen nach § 35a erläutern,
  • Hilfeplanung und kommunale Verwaltungsstrukturen darstellen,
  • im Leistungsrecht des SGB IX den leistungsberechtigten Personenkreis kennen (§ 99 SGB IX),
  • den Begriff der Wesentlichkeit in Bezug auf Behinderung diskutieren,
  • Leistungsgruppen und -inhalte, insbesondere Frühförderung und Heilpädagogik, darlegen,
  • die Zuständigkeiten weiterer Reha-Träger skizzieren,
  • Grundlagen des Vertragsrechts erläutern,
  • Heilpädagogische Familienhilfe als Möglichkeit der Leistungserbringung "(wie) aus einer Hand" sozialrechtlich fassen.

  • Pflichtbestandteil für das Zertifikat "Heilpädagogische Familienhilfe".


    Fetale Alkoholspektrumstörung (FASD) - eine unerkannte Behinderung? Heilpädagogische Betrachtungsweisen

    Durch Alkoholkonsum in der Schwangerschaft werden in Deutschland nach neuesten Einschätzungen jährlich über 12.000 Kinder mit fetaler Alkoholspektrumstörung (FASD) geboren. Dies stellt damit die häufigste nicht genetische Ursache für Wachstums-, Entwicklungs- und Verhaltensstörungen dar. FASD ist eine lebenslange, irreversible Behinderung mit Hauptsymptomen in Kognition, Emotion, Kommunikation, Exekutivfunktionen und im neuromotorischen Bereich.

    Das Leid der Heranwachsenden, bei denen die Ursache ihrer Beeinträchtigung noch viel zu oft unentdeckt bleibt oder eine Diagnose erst spät gestellt wird, zieht sich wie ein roter Faden durch ihr Leben. Nie sind sie "richtig". Man unterstellt ihnen Naivität und Renitenz. Das Umfeld reagiert mit Unverständnis und Ausschluss, Bezugspersonen oft mit Überforderung.

    Es stellt sich die Frage nach einem förderlichen, heilpädagogischen Umgang. Die in der Jugend- und Eingliederungshilfe vorherrschenden pädagogischen Ansätze bleiben oft wirkungslos oder verstärken sogar problematisches Verhalten. Heranwachsende mit FASD befinden sich in den miteinander verschwimmenden Zuständigkeitsbereichen der Kinder-/Jugendhilfe und der Eingliederungshilfe. Eine inklusive Jugendhilfe ist notwendig, die den Zugang zu bedarfsgerechten Hilfen sicherstellen kann.

    Diese Fortbildung soll pädagogische Fachkräfte für die Merkmale von FASD sensibilisieren und im Umgang mit den betroffenen Menschen schulen. Die Wirkfaktoren der FASD-sensiblen, heilpädagogischen Arbeit werden anhand von Fallbeispielen exemplarisch erläutert. Sie erhalten zahlreiche Literatur- und Materialhinweise.

    Sie haben die Möglichkeit, sich folgende Kompetenzen zu erarbeiten:  

  • Entstehung, Merkmale und Diagnosekriterien der FASD beschreiben,
  • den Langzeitverlauf der Beeinträchtigung erläutern,
  • die Fachstellen für FASD und deren Zugangswege kennen,
  • wirksame Handlungsstrategien zum adäquaten Umgang mit dem betroffenen Menschen entwickeln,
  • die Zusammenarbeit mit den (Pflege-)Eltern und anderen Bezugspersonen des FASD-betroffenen Menschen gestalten und
  • die eigene Rolle und Haltung als pädagogische Fachkraft reflektieren.


  • Was mich als Fachperson stärkt: Eigene Barrieren erkennen und Ressourcen aktivieren Psychohygiene durch die Entwicklung von Selbstfürsorgestrategien und sicherem Handeln

    Psychohygiene durch die Entwicklung von Selbstfürsorgestrategien und sicherem Handeln im heilpädagogischen Kontext

    Um den Herausforderungen im pädagogischen Alltag gewachsen sein zu können, bedarf es entsprechend der unterschiedlichen Fachpersönlichkeiten auch verschiedenste Strategien, um gut mit sich selbst und den Klient:innen umgehen zu können. Dafür werden in diesem Kurs theoretische Modelle mit praktischen Umsetzungsmöglichkeiten, die möglichst pragmatisch in den Alltag eingebaut werden können, verknüpft. Ein Schwerpunkt liegt auf der Arbeit an Stimme, Körper und Ausdruck, um sich stabil zu verorten und die eigene Präsenz zu stärken. Darüber hinaus gibt es je nach Bedarf die Möglichkeit, eigene Fälle im Rahmen eines supervisorischen Kontextes einzubringen und mit der Gruppe zu besprechen.

    Sie haben die Möglichkeit, sich folgende Kompetenzen zu erarbeiten:

  • Faktoren und Dynamiken von Belastungen im Kontext der Familienhilfe beschreiben,
  • ein eigenes Stressprofil auf der Grundlage von SELF-REGÒ erstellen,
  • für die eigene Person Ressourcen und Barrieren mit Blick auf Psychohygiene identifizieren,
  • den eigenen Psychohygiene-Umgang reflektieren,
  • Übungen aus den Bereichen der Gesangs- und Theaterpädagogik zur Stärkung der eigenen Präsenz durchführen.

  • Pflichtbestandteil für das Zertifikat "Heilpädagogische Familienhilfe".


    Kinder von Eltern mit psychischer Erkrankung in ambulanten Hilfen

    Kinder und Jugendliche stehen mit ihrem Erleben und ihren Bedürfnissen bezüglich der Erkrankung einer engen Bezugsperson im Fokus des Moduls. Wie kann hier heilpädagogische Arbeit gestaltet werden und wie bettet sich diese in den Gesamtkontext Heilpädagogische Familienhilfe ein? Welche Erfahrungen und Erkenntnisse gibt es und welche Ansätze haben sich bewährt? Welche Schutzfaktoren sind notwendig, um ein möglichst unbelastetes Aufwachsen zu ermöglichen? Wie kann eine nachhaltige Unterstützung gestaltet werden? Es werden zudem unterschiedliche Krankheitsbilder der Erwachsenen hinsichtlich ihrer Bedeutung für die Heranwachsenden und für die Familiendynamik beleuchtet.

    Sie haben die Möglichkeit, sich folgende Kompetenzen zu erarbeiten:

  • Herausforderungen und mögliche Barrieren für Kinder und Jugendliche beschreiben, deren Eltern(-teil) eine psychische oder Suchterkrankung haben,
  • Ressourcen und Schutzfaktoren für Kinder systematisch identifizieren und stärken,
  • verschiedene Krankheitsbilder (z. B. Depression, Angststörungen, Bipolare Erkrankungen) in ihren Auswirkungen auf die Familiendynamik darlegen,
  • kindbezogene Handlungskonzepte im Rahmen der Heilpädagogischen Familienhilfe entwickeln,
  • bekannte Handlungskonzepte für individuelle und familiäre Bedarfe anpassen,
  • die eigene Rolle und Position mit Blick auf heilpädagogische Professionalität reflektieren.



  • Fachberatung und Fallarbeit im Tätigkeitsfeld Autismus-Spektrum

    Fachberatung unterstützt dabei, herausfordernde berufliche Situationen strukturiert zu reflektieren, unterschiedliche Perspektiven zusammenzuführen und tragfähige Handlungsmöglichkeiten zu entwickeln. Sie macht Ressourcen und Wechselwirkungen sichtbar und hilft, Teilhabe- und Handlungsbarrieren differenziert zu verstehen.

    Im Mittelpunkt stehen konkrete eigene Fälle aus der Praxis der Teilnehmenden. Vor dem Modul erhalten alle vorbereitende Unterlagen, mit denen sie einen anonymisierten Fall, relevante Kontextinformationen und eine präzise Beratungsfrage aufbereiten. Im Seminar werden diese Fälle gemeinsam beraten. Die Teilnehmenden übernehmen dabei wechselnde Rollen: Sie stellen den eigenen Fall vor, strukturieren Beratungsprozesse und beraten die Fälle anderer Teilnehmender.

    Ausgewählte Fachberatungsmodelle geben der Fallarbeit einen verlässlichen Rahmen. Ziel ist keine vorschnelle Lösung, sondern ein mehrdimensionales Verstehen: Was gelingt bereits? Welche individuellen und umweltbezogenen Faktoren wirken zusammen? Welche nächsten Entwicklungs-, Unterstützungs- und Handlungsschritte sind realistisch? Die Ergebnisse werden in alltagsnahe Strategien für den jeweiligen Tätigkeitsbereich übersetzt.

    Ein weiterer Schwerpunkt ist Marte Meo als videogestützte Fachberatung. Kurze Sequenzen aus Alltagssituationen ermöglichen, Interaktions- und Kommunikationsprozesse genau zu betrachten und gelingende Momente sowie entwicklungsunterstützende Handlungsmöglichkeiten herauszuarbeiten. Fachliche, ethische und datenschutzrechtliche Voraussetzungen werden dabei berücksichtigt.

    Sie haben die Möglichkeit, folgende Kompetenzen zu erwerben:

  • einen eigenen Praxisfall mithilfe der Unterlagen strukturiert, anonymisiert und mit einer klaren Beratungsfrage vorzustellen,
  • unterschiedliche Modelle der Fachberatung kennenzulernen und auf konkrete Fälle anzuwenden,
  • Fälle kollegial, ressourcenorientiert und multiperspektivisch zu beraten,
  • Ressourcen, Teilhabebarrieren und realistische nächste Handlungsschritte zu identifizieren,
  • zentrale Marte-Meo-Elemente in der videogestützten Fachberatung zu nutzen,
  • die eigene professionelle Haltung und das heilpädagogische Handlungsrepertoire zu reflektieren und zu erweitern.


  • Basismodul 2 | Heilpädagogische Aufgaben im Kontext von Diagnostik und Förderplanung

    Aufbauend auf Basismodul 1 richtet dieses Modul den Blick auf diagnostische Prozesse und deren Bedeutung für eine individuelle heilpädagogische Unterstützungs- und Förderplanung. Strukturierte Beobachtungs- und Erhebungsverfahren helfen, Besonderheiten und Ressourcen in Wahrnehmungsverarbeitung, Kommunikation und sozialer Interaktion differenziert zu erfassen.

    Die Teilnehmenden erhalten eine fundierte Einführung in die Diagnostische Beobachtungsskala für Autistische Störungen – 2 (ADOS-2). Das standardisierte, modular aufgebaute Verfahren erfasst anhand strukturierter Aktivitäten und Gesprächssituationen unter anderem Kommunikation, soziale Interaktion, Spiel- und Vorstellungsvermögen sowie weitere autismusspezifisch relevante Verhaltensweisen. Die Modulauswahl orientiert sich an Alter, Entwicklungsstand und sprachlichen Fähigkeiten der untersuchten Person.

    Ergänzend wird das Diagnostische Interview für Autismus – Revidiert (ADI-R) vorgestellt. Das strukturierte Interview mit Eltern oder anderen engen Bezugspersonen bezieht Informationen zur frühen Entwicklung, zum Spracherwerb, zu Spiel und Interaktion sowie zu Interessen, Routinen und wiederkehrenden Verhaltensweisen ein.

    Beide Verfahren werden als Bestandteile einer umfassenden, multiperspektivischen Diagnostik betrachtet. Aussagekraft und Grenzen standardisierter Verfahren werden kritisch reflektiert. Im Mittelpunkt steht die Übertragung diagnostischer Erkenntnisse in ressourcenorientierte, neurodiversitätssensible und teilhabefördernde Ziele und Handlungsschritte.

    Sie haben die Möglichkeit, folgende Kompetenzen zu erwerben:

    • Aufbau, Einsatzmöglichkeiten und Grenzen von ADOS-2 und ADI-R kennenzulernen,

    • weitere Test-, Entwicklungs- und Screeningverfahren fachlich einzuordnen,

    • diagnostische Beobachtungen systematisch zu erfassen und multiperspektivisch auszuwerten,

    • Kompetenzen, Interessen, Ressourcen und unterstützende Umweltfaktoren zu identifizieren,

    • ein differenziertes individuelles Entwicklungs- und Unterstützungsprofil zu erstellen,

    • diagnostische Erkenntnisse in konkrete heilpädagogische Ziele und Handlungsstrategien zu überführen,

    • die eigene diagnostische Haltung und Verantwortung im interdisziplinären Prozess zu reflektieren.

    Pflichtbestandteil für das Zertifikat "Heilpädagogische Autismus-Beratung für Entwicklung und Teilhabe".



    Basismodul 3 | Methodenvielfalt: Marte Meo, Unterstützte Kommunikation, Profilarbeit, TEACCH-Ansatz und weitere Konzepte

    Heilpädagogisches Handeln mit Menschen im Autismus-Spektrum braucht ein breites Methodenrepertoire. Entscheidend ist jedoch nicht die Anwendung einer Standardmethode, sondern eine fachlich begründete, personenzentrierte und kontextbezogene Auswahl. Dieses Modul vermittelt einen praxisnahen Überblick über verschiedene Ansätze und ihre Kombinationsmöglichkeiten.

    Ein Schwerpunkt liegt auf der Unterstützten Kommunikation (UK). Körpereigene, nicht elektronische und elektronische Kommunikationsformen können Menschen mit eingeschränkter oder fehlender Lautsprache darin unterstützen, Bedürfnisse, Entscheidungen und Gefühle auszudrücken und Beziehungen aktiv mitzugestalten. Auch das Picture Exchange Communication System (PECS) wird in seinen Grundzügen vorgestellt.

    Der TEACCH-Ansatz bietet mit Strukturierung und Visualisierung Möglichkeiten, Räume, Aufgaben und Abläufe verständlich und verlässlich zu gestalten. Marte Meo eröffnet als videobasierter, ressourcenorientierter Ansatz einen differenzierten Blick auf Kommunikation, Interaktion und gelingende Kontaktmomente. Die Profilarbeit stärkt Selbstvertretung, indem Bedürfnisse, Stärken, Interessen und hilfreiche Rahmenbedingungen gemeinsam beschrieben werden.

    Weitere Konzepte wie Applied Behavior Analysis (ABA) und Autismusspezifische Verhaltenstherapie (AVT) werden hinsichtlich ihrer Grundlagen, Ziele und Grenzen sowie unter den Gesichtspunkten Ethik, Selbstbestimmung, Neurodiversität und Teilhabe kritisch diskutiert.

    Sie haben die Möglichkeit, folgende Kompetenzen zu erwerben:

  • Grundprinzipien von Marte Meo und entwicklungsunterstützender Kommunikation kennenzulernen,
  • zentrale Prinzipien des TEACCH-Ansatzes zu erläutern und Ideen zur Strukturierung und Visualisierung zu entwickeln,
  • Formen der Unterstützten Kommunikation fachlich einzuordnen und den grundlegenden Ablauf von PECS zu beschreiben,
  • Profilarbeit als Instrument der Selbstvertretung und Teilhabeplanung einzusetzen,
  • weitere methodische Ansätze fachlich, ethisch und neurodiversitätssensibel zu reflektieren,
  • passende Handlungsideen für Einzel- und Gruppensettings zu entwickeln und auf die eigene Praxis zu übertragen.

  • Pflichtbestandteil für das Zertifikat "Heilpädagogische Autismus-Beratung für Entwicklung und Teilhabe".


    Heilpädagogische Autismus-Beratung: Beratung und Begleitung von Eltern und Familien

    Eine Autismusdiagnose wirft für die diagnostizierte Person und ihr familiäres Umfeld häufig neue Fragen auf. Eltern, Geschwister und weitere Bezugspersonen benötigen je nach Lebenssituation unterschiedliche Informationen und Unterstützungsformen. Gleichzeitig verfügen Familien über wertvolle Erfahrungen, Kompetenzen und Lösungsstrategien, die für eine gelingende Begleitung zentral sind.

    Das Modul greift praxisnah auf, was nach einer Diagnose hilfreich sein kann, welche Zugänge und Barrieren im Unterstützungssystem bestehen und wer zu welchem Zeitpunkt welches Wissen benötigt. Im Mittelpunkt steht eine person- und familienzentrierte Beratung, die Zuständigkeiten transparent klärt, Ziele gemeinsam entwickelt und professionelles Fachwissen mit biografischer Erfahrung sowie Expertise in eigener Sache verbindet.

    Ein besonderer Schwerpunkt gilt autistischen Eltern. Ihre Lebenssituation wird in ihrer Vielschichtigkeit betrachtet: Welche Ressourcen und Unterstützungsbedarfe bestehen? Für wen wird eine Situation zur Herausforderung, und welchen Anteil haben gesellschaftliche Erwartungen oder unpassende Rahmenbedingungen? Eine Expertin aus dem Autismus-Spektrum, die selbst Mutter ist, bringt ihre Erfahrungen ein und eröffnet einen unmittelbaren Einblick in Anforderungen, Stärken und Spannungsfelder autistischer Elternschaft.

    Ziel ist es, Familien nicht als bloße Empfänger:innen professioneller Unterstützung zu verstehen, sondern als aktiv Beteiligte, deren Wissen, Entscheidungen und Lebensentwürfe die Grundlage gemeinsamer Beratungs- und Begleitprozesse bilden.

    Sie haben die Möglichkeit, folgende Kompetenzen zu erwerben:

    • Leitprinzipien person- und familienzentrierter Beratung fachlich einzuordnen und anzuwenden,

    • Informations-, Beratungs- und Unterstützungsbedarfe nach einer Diagnose zu erkennen,

    • Ressourcen und Expertise von Familien und Menschen im Autismus-Spektrum systematisch einzubeziehen,

    • Ziele, Zuständigkeiten und Unterstützungsprozesse transparent und partizipativ zu gestalten,

    • Perspektiven und Bedarfe autistischer Eltern differenziert wahrzunehmen,

    • die eigene professionelle Rolle sowie Vorstellungen von Familie, Elternschaft und Unterstützung kritisch zu reflektieren.


    Heilpädagogische Autismus-Beratung: Evaluationsmodul

    Das Modul vermittelt grundlegendes Wissen zum Autismus-Spektrum und führt in zentrale fachwissenschaftliche Perspektiven, Erklärungsmodelle und aktuelle Diskurse ein. Im Mittelpunkt stehen die vielfältigen Formen des Wahrnehmens, Denkens, Erlebens, Kommunizierens und Handelns. Individuelle Besonderheiten werden dabei ebenso berücksichtigt wie Ressourcen, Unterstützungsbedarfe und mögliche Teilhabebarrieren.

    Klassische kategoriale Bezeichnungen wie frühkindlicher Autismus, Asperger-Syndrom und atypischer Autismus werden den aktuellen dimensionalen und spektrumsorientierten Klassifikationsansätzen gegenübergestellt. Die Konzepte werden fachlich eingeordnet und hinsichtlich ihrer Bedeutung für Diagnostik, Beratung und Begleitung kritisch reflektiert.

    Ein besonderer Schwerpunkt liegt auf Wahrnehmungsverarbeitung, Kommunikation und sozialer Interaktion. Betrachtet wird, wie individuelle Voraussetzungen und Umweltbedingungen zusammenwirken und Teilhabe fördern oder erschweren können. Einbezogen werden zentrale Lebensbereiche wie Familie, Kindertageseinrichtung, Schule, Ausbildung, Beruf und Peer-Gruppen.

    Die Perspektive einer Person aus dem Autismus-Spektrum ergänzt die theoretischen Inhalte um Expertise aus eigener Erfahrung. Ziel ist ein differenziertes, neurodiversitätssensibles Verständnis, aus dem erste heilpädagogische Handlungsperspektiven abgeleitet werden.

    Sie haben die Möglichkeit, folgende Kompetenzen zu erwerben:

  • Erscheinungsformen des Autismus-Spektrums und aktuelle Klassifikationsdiskurse fachlich einzuordnen,
  • wissenschaftliche Erklärungsmodelle und Entwicklungsbedingungen kennenzulernen und kritisch zu diskutieren,
  • die Bedeutung von Wahrnehmungsverarbeitung, Kommunikation und Interaktion für das menschliche Miteinander zu verstehen,
  • Ressourcen, Unterstützungsbedarfe und Teilhabebarrieren in der Person-Umwelt-Interaktion zu erkennen,
  • personenzentrierte und teilhabefördernde heilpädagogische Handlungsansätze zu entwickeln,
  • das eigene professionelle Handeln im Hinblick auf Selbstbestimmung und Neurodiversität zu reflektieren.


  • Grundlagen der Eingliederungshilfe und der ICF für Menschen aus dem Autismusspektrum

    Viele Menschen des Autismusspektrums benötigen und beziehen Unterstützung in Form von Leistungen der Eingliederungshilfe (SGB IX, ggf. § 35a SGB VIII. Nähere Bestimmungen finden sich in den Ausführungsvorschriften der Länder. Die gesetzlichen Grundlagen schaffen die Rahmenbedingungen heilpädagogischen Handelns. Der Erwerb und die stetige Aktualisierung rechtlicher Kenntnisse sind daher für die Leistungserbringung unentbehrlich; sie ermöglichen überdies eine advokatorische Unterstützung der betroffenen Personen und ihrer Angehörigen.

    Ein in diesem Zusammenhang relevanter Aspekt ist das klare Bekenntnis des BTHG zur ICF. So hat bereits 2018 das bio-psycho-soziale Modell von Behinderung explizit Eingang in das SGB IX gefunden und die Ermittlung des individuellen Bedarfs des Leistungsberechtigten muss durch ein ICF-orientiertes Instrument erfolgen. Deshalb ist es im Umgang mit den einschlägigen rechtlichen Regelungen wichtig, sich mit Bedeutung, Inhalten und Zielen der ICF zu befassen, um valide Auskünfte im Rahmen der Bewilligung von Anträgen auf Leistungen der Eingliederungshilfe erteilen zu können.

    Das Modul erstreckt sich über zwei Tage. Tag 1 widmet sich spezifisch der ICF, ihren Grundbegriffen sowie der Übersetzung und Anwendung ihres Beschreibungssystems. Tag 2 vermittelt vertiefte Einblicke in Systematik und leistungsrechtliche Strukturen des SGB IX. Die Inhalte richten den Fokus auf heilpädagogisches Handeln mit Menschen aus dem Autismusspektrum.

    Sie haben die Möglichkeit, sich folgende Kompetenzen zu erarbeiten:

  • systematische und inhaltliche Einordnung des SGB IX in die Sozialgesetzgebung;
  • Überblick über die gesetzliche Umsetzung der ICF;
  • Überblick über wesentliche Änderungen des SGB IX im Allgemeinen und des Eingliederungshilferechts im Besonderen durch das BTHG;
  • rechtliche Zuordnung der Leistungen zur Teilhabe am Arbeitsleben, zur Teilhabe an Bildung und zur sozialen Teilhabe;
  • Überblick über die aktuelle Rechtsprechung im Bereich Autismus;
  • Aneignung sozialverwaltungsverfahrensrechtlicher Grundkenntnisse und deren Umsetzung in der Praxis;
  • verfahrensrechtliche Verortung der spezifisch teilhabebezogenen Instrumente der Bedarfsermittlung, Bedarfsfeststellung, Zuständigkeitsklärung und Teilhabe- bzw. Gesamtplanung;
  • Kenntnisse über den Gesamtzusammenhang der ICF;
  • Verstehen und Anwenden der zentralen Modelle, Komponenten und Begriffe der ICF.