Heilpädagogische Diagnostik: Basismodul Online
Diagnostische Kompetenz umfasst zahlreiche Aspekte, die in den verschiedenen Ausbildungsstätten für Heilpädagogik in jeweils unterschiedlicher Intensität und Bandbreite vermittelt werden. Dabei richtet die Diagnostische Kompetenz umfasst zahlreiche Aspekte, die in den verschiedenen Ausbildungsstätten für Heilpädagogik in jeweils unterschiedlicher Intensität und Bandbreite vermittelt werden. Dabei befasst sich heilpädagogische Diagnostik sowohl mit dem Menschen als auch mit dem Umfeld und untersucht deren wechselseitige Beeinflussungen.
Zu den Zielen heilpädagogischer Diagnostik gehören einerseits das Erkennen individueller Ressourcen und Beeinträchtigungen mit Blick auf die Lebensqualität als auch auf jene Barrieren, die die gesellschaftliche Teilhabe in ihrem jeweiligen Umfeld erschweren.
Für Kolleg:innen, die einen Kompetenznachweis in Heilpädagogischer Diagnostik in Form eines Zertifikats anstreben, ist die Teilnahme am Basismodul vor dem Besuch der Blockwoche oder der Einzelmodule verpflichtend. Ausnahmen müssen mit der Fachreferentin der EAH abgesprochen werden.
Sie haben die Möglichkeit, sich mit folgenden Inhalten theoretisch und praktisch auseinanderzusetzen und Kompetenzen zu erarbeiten:
Psychomotorik in der Heilpädagogik
Bewegung ist die Basis für die Entwicklung und Ausbildung zahlreicher Fähigkeiten und Fertigkeiten in den unterschiedlichsten Bereichen menschlichen Daseins. Bewegungsförderung wirkt aus diesem Grunde nicht nur auf die motorischen Fähigkeiten, sondern beeinflusst auch die soziale, emotionale, sprachlich-kommunikative,kognitive sowie wahrnehmungsbezogene Entwicklung.
Die Überlegungen aus der Psychomotorik können sehr gut für das heilpädagogische Arbeiten genutzt werden und das Methodenspektrum erweitern Dabei ist ein psychomotorischer Ansatz nicht auf Menschen eines bestimmten Lebensalters ausgerichtet oder bedarf prinzipiell bestimmter Fähigkeiten. Heilpädagoginnen und Heilpädagogen sind gefordert, Professionalität und Kreativität miteinander zu verbinden. Die Reflexion der eigenen Rolle und ein professioneller Umgang mit Inhalten und Methoden sind Bestandteil aller Module.
Modul 1: Grundlagen Einführung in das Thema | Prof.in Dr.in Christina Reichenbach
Der Begriff Psychomotorik wird in seinen Ursprüngen und im Hinblick auf verschiedene Theoriebrillen sowie beispielhaft anhand verschiedener Konzepte betrachtet. Die Bedeutung der Auseinandersetzung mit dem eigenen Körper, verschiedenem aterial und Gruppenprozessen wird veranschaulicht. Zudem werden erste Überlegungen eines Beitrags von Psychomotorik als eine Methode zur Teilhabeförderung beleuchtet. Die Teilnehmenden gehen in eine Themensammlung, um so für die weiteren Module gemeinsame Schwerpunkte für die reflektierte Praxis psychomotorischen Arbeitens in der Heilpädagogik zu setzen (z. B. Wahrnehmung, Selbstkonzept, Entspannung, Materialauswahl).
Modul 2: Diagnostische Perspektiven | Prof.in Dr.in Christina Reichenbach
Die motorische Entwicklung wird in ihrer Bedeutung für die Gesamtentwicklung betrachtet und basierend darauf konkrete Verfahren "psychomotorischer Diagnostik" im Überblick vorgestellt. Ein Verfahren wird erprobt und reflektiert. Diagnostische efunde müssen gelesen werden können, um daraus sinnvolle Förderstrategien abzuleiten. Eine förderdiagnostische Perspektive, d. h. die Einheit von Diagnostik und Förderung, ist hier von hoher Bedeutung.
Modul 3 und 4: Praxis und noch mehr Praxis | Daniela Gulatz
Bewegung, Spiel und Freude stellen Grundelemente psychomotorischer Praxis in der Heilpädagogik dar. Variations- und Differenzierungsmöglichkeiten verschiedener Settings (Einzel-/Gruppe, Raumgestaltung, Materialadaptionen, Inhalte, Themen, erschiedene Förderschwerpunkte bzw. Lebensalter) werden überlegt, erprobt und reflektiert. Ein besonderes Augenmerk liegt auf der Reflexion von Rolle und Haltung als Heilpädagogin bzw. Heilpädagoge in psychomotorischen Prozessen.
Modul 5: Konzeptionelle Überlegungen | Prof.in Dr.in Christina Reichenbach
Die Verbindungen und Differenzen zwischen Heilpädagogik und Psychomotorik werden betrachtet, um das eigene professionelle Profil zu überlegen, zu erweitern und / oder zu vertiefen. Die Teilnehmenden gestalten eine heilpädagogische Förderung mit psychomotorischen Inhalten und gehen hierbei auf folgende Aspekte ein:
Modul 6: Evaluationsmodul | Prof.in Dr.in Christina Reichenbach
Im Evaluationsmodul werden die Erkenntnisse der Weiterbildung zusammengefasst und reflektiert. Hierzu reichen Sie vier Wochen vorher eine schriftliche Ausarbeitung ein (6 10 Seiten). Diese kann entweder eine kriterienspezifische alldokumentation oder die Entwicklung einer eigenen klientelspezifischen Handlungskonzeption auf psychomotorischer Basis umfassen. Wichtig ist bei beiden Varianten eine theoriegeleitete Reflexion hinsichtlich einer Verbindung zwischen Heilpädagogik und Psychomotorik.
Die schriftliche Ausarbeitung präsentieren Sie vor der Gruppe (ca. 30 Min.); die Ausarbeitung und der erkennbare Prozess werden gemeinsam reflektiert. Eine vom BHP beauftragte Person nimmt daran teil.
Sie haben die Möglichkeit, sich folgende Kompetenzen zu erarbeiten:
Materialsammlung: (Heilpädagogische-) Förderung mit Dingen, die sich in fast jedem Haushalt finden
Der heilpädagogische Arbeitsalltag verlangt Ideenreichtum und Materialvielfalt. Um die Klient:innen motiviert zu halten und ihnen Abwechslung zu bieten, stapeln sich teure Spiele und Materialien in den Arbeitsräumen. Doch ist das wirklich immer nötig? Geht das nicht auch einfacher, kostengünstiger, ressourcenschonender? Wie kann man mit Alltagsgegenständen und vermeintlichem Müll Förder- und Behandlungsangebote interessant und abwechslungsreich gestalten? Was eignet sich dafür? Wie kann man Dinge aus dem Haushalt umfunktionieren und therapeutisch nutzen? Wie profitieren die Klientinnen und Klienten davon? Für welche Förderschwerpunkte eignen sich welche Materialien?
Die Fortbildung gliedert sich in zwei Themenschwerpunkte:
Teil 1: Kognition und Sprache
Teil 2: Wahrnehmung und Motorik
Sie haben die Möglichkeit sich folgende Kompetenzen zu erarbeiten:
Heilpädagogische Familienhilfe: Evaluationsmodul
Im Rahmen des Evaluationsmoduls werden die Erkenntnisse und Erfahrungen aus der Weiterbildungsreihe zusammengefasst und reflektiert. Hierfür reichen Sie vier Wochen vorher eine schriftliche bschlussarbeit ein (8 bis max. 12 Seiten). Im Verlauf des Evaluationsmoduls stellen Sie Ihre Arbeit vor. Eine vom BHP beauftragte Person nimmt daran teil.
Familiendiagnostisches Vorgehen im Kontext Heilpädagogischer Familienhilfe. Familiäre Belastungssituationen und ihre Deutungsrahmen
Familiendiagnostik ist mehr als nur das Erkennen von Problemlagen – sie bietet Heilpädagog:innen die Chance, Ressourcen sichtbar zu machen und Stärkendes in den Mittelpunkt zu rücken. In diesem Modul lernen Sie systemisch orientierte und praxisnahe Verfahren kennen, um familiäre Strukturen, Dynamiken und Entwicklungspotenziale differenziert zu erfassen. Dabei stehen eine partizipative Durchführung und Auswertung im Mittelpunkt.
Sie erweitern Ihre heilpädagogisch-diagnostischen Fähigkeiten und setzen sich damit auseinander, Familien nicht nur in ihren Herausforderungen, sondern vor allem in ihren Stärken zu sehen – als Grundlage für wirksame Unterstützung und ganzheitliche Entwicklung.
Durch Fallarbeit, Reflexion und Übungen werden diagnostische Zugänge erlebbar gemacht und die Übertragbarkeit in eine partizipative Praxis gefördert.
Sie haben die Möglichkeit sich folgende Kompetenzen zu erarbeiten:
"Zwischen Verstehen und Verändern" - Multidisziplinäre Verständigungsprozesse in komplexen Hilfesystemen
Menschen mit sogenannten herausfordernden Verhaltensweisen bewegen sich häufig in komplexen sozialen Konstellationen: unterschiedliche professionelle Perspektiven, institutionelle Logiken, biografische Erfahrungen, strukturelle Spannungen und widersprüchliche Erwartungen greifen ineinander. Fallbesprechungen sollen Orientierung schaffen – und führen doch nicht selten zu neuen Unklarheiten, Verantwortungsverschiebungen oder wiederkehrenden Schleifen.
Der Vortrag richtet den Blick auf multidisziplinäre Verständigungsprozesse in komplexen Hilfesystemen. Im Zentrum steht die Frage, wie Verhalten, Problembeschreibungen und auch Lösungsversuche funktional verstanden werden können: Was stabilisiert eine Situation? Welche Wirkungen erzeugen Interventionen – beabsichtigt und unbeabsichtigt? Und wie kann professionelle Zusammenarbeit gelingen, ohne Komplexität vorschnell zu vereinfachen?
Ausgehend von systemischen und funktionalen Perspektiven werden Möglichkeiten aufgezeigt, wie Fallkonstellationen differenziert betrachtet, Perspektiven übersetzt und neue Handlungsspielräume eröffnet werden können.
Herausforderndes Verhalten als Antwort auf Traumatisierung
Der Vortrag führt in Kernideen der Traumapädagogik im Kontext geistiger Behinderung ein. Er lotet aus, warum und wie eine traumasensible Perspektive dabei helfen kann, herausfordernde Verhaltensweisen besser zu verstehen und damit anders umzugehen. Eine traumasensible Perspektive kann nicht nur das Verhältnis gegenüber Anderen verändern, sondern auch mein eigenes professionelles Rollenverständnis.
Herausforderndes Verhalten als Antwort auf herausfordernde Strukturen
Herausforderndes Verhalten in der Kinder- und Jugendhilfe ist ein umfassendes und drängendes Thema der (Heil-)Pädagogik. Oftmals ist es eine Reaktion auf herausfordernde Strukturen: in der Familie, den Einrichtungen der Kinder- und Jugendhilfe, aber auch der Gesellschaft. Diese machtvollen Strukturen zu durchschauen, kann ein erster Schritt sein, herausgeforderte Kinder und Jugendliche zu verstehen bzw. Verständnis für ihre Verhaltensweisen zu entwickeln und somit wieder in die Lösungsorientierung und ins Handeln zu kommen.
Verstehen und Verantwortung als Grundlagen professionellen Handelns im Umgang mit Kindern mit herausfordernden Verhaltensweisen
Herausfordernde Verhaltensweisen von Kindern in Kindertageseinrichtungen werden in der Praxis häufig im Kind verortet. Die Analyse der jeweiligen Entwicklungssituation gerät dabei in den Hintergrund. Die Vorlesung greift diese Problematik auf und bestimmt die Kompetenz des Verstehens – konkreter: des verstehenden Diagnostizierens – als zentral für professionelles Handeln in der Arbeit mit Kindern mit herausfordernden Verhaltensweisen.
Verstehen wird dabei als systematischer Prozess gefasst, in dem sich dem subjektiven Erleben eines Kindes (Innenperspektive) im Kontext seiner Lebensverhältnisse (Außenperspektive) angenähert wird, um seine Entwicklungssituation zu analysieren und zu rekonstruieren.
Diagnostisches Handeln erschöpft sich jedoch nicht in Analyse und Rekonstruktion. Es setzt auch die Bereitschaft der diagnostizierenden Person zur affektiven Beteiligung voraus – sich also emotional berühren zu lassen, die aktuelle Entwicklungssituation des Kindes nachzuvollziehen und empathisch zu verstehen.
In diesem Prozess beginnt das Kind mich als Diagnostiker:in "etwas anzugehen", und ein Verantwortungsgefühl kann entstehen. Vor dem Hintergrund häufig anzutreffender Verantwortungsverschiebungen bis hin zu struktureller Verantwortungslosigkeit kommt der sich entwickelnden pädagogischen Verantwortung in diesem Zusammenhang eine basale Bedeutung zu.
Verstehen und Verantwortung erweisen sich folglich als zentrale Grundlagen professionellen Handelns im Umgang mit Kindern mit herausfordernden Verhaltensweisen.
"...das macht was mit mir..." Selbsterkenntnis und und Selbstfürsorge als Teil heilpädagogischer Professionalität im Umgang mit Menschen mit herausforderndem Verhalten
Menschen mit sog. herausforderndem Verhalten erzeugen beim Gegenüber Reaktionen auf verschiedenen Ebenen. Die eigenen Emotionen, Gefühle und Gedanken bewusst wahrzunehmen kann ein hilfreicher Ausgangspunkt sein, um heilpädagogisch wirksam zu werden.
Eine professionelle und achtsame Psychohygiene umfasst hierbei sowohl die achtsame Beobachtung des eigenen Selbst als auch der Bedarfe und Bedürfnisse des Gegenübers. Dies eröffnet Resonanzgeschehen als zwischen-menschlichen Raum, in dem echte Beziehung und Begegnung möglich werden.
Ein subjektives Anfragen- und Berühren-Lassen durch das Verhalten des anderen, das einhergeht mit der Wahrnehmung der eigenen Reaktionen ermöglicht Ver-antwortung im wörtlichen Sinn, jenseits von Techniken und Krisenintervention.
