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Fachbereichstag Heilpädagogik wählt neuen Vorstand

Sabine Schäper, Vorsitzende des FBT-HP

Am 05. Juni wurde Frau Prof. Dr. Sabine Schäper zur neuen Vorsitzenden des Fachbereichstages Heilpädagogik (FBT-HP) gewählt. Sie löst damit Frau Prof. Dr. Anne-Dore Stein (EH-Darmstadt) ab, die weiterhin als Mitglied des Vorstandes tätig sein wird. Zu den vier KandidatInnen zählten außerdem Herr Prof. Dr. Bernhard Schmalenbach (Alanus Hochschule Alfter) und Frau Prof. Dr. Monika Willenbring, die für die kommenden zwei Jahre gemeinsam mit Anne-Dore Stein den erweiterten Vorstand bilden.

Sabine Schäper ist seit 2006 Professorin für Heilpädagogik an der Katholischen Hochschule NRW am Standort Münster. Zuvor arbeitete sie viele Jahre in Einrichtungen der Eingliederungshilfe für Menschen mit Behinderungen, mit einem Schwerpunkt im Bereich Wohnangebote für Erwachsene. Zudem war sie als Referatsleitung Alten-, Gesundheits- und Behindertenhilfe und Referentin für Behindertenhilfe und Psychiatrie bei einem Spitzenverband der Wohlfahrtspflege tätig.

Zwei wesentliche Arbeitsschwerpunkte der zukünftigen Vorstandesarbeit des Fachbereichstages wird die Gestaltung von Lebenswelten für und mit Menschen mit Behinderungen und die politische Lobby-Arbeit sein. Die kritische Begleitung der Umsetzung des Bundesteilhabegesetzes und anderer sozial- und gesundheitspolitischer Entwicklungen sollen dabei ebenso im Zentrum der Vorstandsarbeit stehen wie berufspolitische Fragestellungen und eine Weiterentwicklung des Berufsbildes Heilpädagogik. Als Fachbereichstag der Hochschulen für Angewandte Wissenschaften will sich der FBT-HP zudem aktiv in die Weiterentwicklung der Teilhabeforschung einbringen und zur Entwicklung von forschungsstarken Hochschulen beitragen.

Nicht mehr angetreten war Prof. Dr. Jens Clausen (KH Freiburg), der sich nach vierjähriger Vorstandsarbeit aus dem Vorstand des FBT-HP verabschiedete.

Der BHP freut sich auf die weiterhin enge und konstruktive Zusammenarbeit mit dem Fachbereichstag Heilpädagogik.

Weitere Informationen: www.fbt-hp.de/

Stellungnahme zum Richtlinienentwurf des GKV-Spitzenverbandes

Der BHP und der Fachbereichstag Heilpädagogik (FBT-HP) haben eine gemeinsame Stellungnahme zum Richtlinienentwurf des GKV-Spitzenverbandes nach § 71 Abs. 5 SGB XI veröffentlicht.

Gemeinsames Anliegen der Verbände ist eine qualitativ hochwertige Ausbildung von Fachkräften u.a. in der sogenannten Behindertenhilfe und damit eine fachlich hochwertige Unterstützung für Menschen mit Behinderungen, die den Anforderungen der UN-Behindertenrechtskonvention und den Grundgedanken der Personzentrierung und Sicherung der Teilhaberechte von Menschen mit Behinderungen entspricht.

Hier können Sie die gemeinsame Stellungnahme herunterladen:

Stellungnahme FBT-HP Und BHP Zu § 71 SGB XI (90.7 KiB, 54 downloads)

Zuständigkeitswechsel der Eingliederungshilfe in NRW: Fachgespräch mit den Landschaftsverbänden

Am 24.05.2019 fand in der Anna-Zillken-Berufsschule in Dortmund ein moderiertes Gespräch mit Vertretern des Landschaftsverbandes Rheinland (LVR) sowie des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL) statt. Thema der Veranstaltung war der Zuständigkeitswechsel für Leistungen der Eingliederungshilfe, die in Kindertageseinrichtungen, in der Kindertagespflege sowie im Rahmen der Frühförderung erbracht werden. Ab 01.01.2020 liegt die Zuständigkeit für diese Leistungen in Nordrhein-Westfalen bei den Landschaftverbänden.

Im Anschluss an das konstruktive Gespräch wurden mit den etwa 70 anwesenden heilpädagogischen AnbieterInnen sowie Angestellten in der Frühförderung gemeinsame Punkte für die weiteren Gespräche des BHP mit den Landschaftsverbänden abgestimmt. Initiiert wurde die Veranstaltung vom BHP e.V., vertreten durch die Landesfachgruppensprecherinnen Stefanie Zell (Frühförderung/NRW) und Eva-Maria Vogelheim (Selbstständige/NRW).

Mitglieder des BHP in NRW haben das Protokoll der Veranstaltung per E-Mail erhalten. BHP Mitglieder aus anderen Bundesländern können die Informationen bei Interesse per E-Mail an info@bhpagentur.de anfordern.

BHP setzt sich für gesellschaftliche Wertschätzung und tarifliche Aufwertung von HeilpädagogInnen ein

Die Vorsitzende und die Geschäftsführung des BHP haben in einem Schreiben an die Bundesfamilienministerin Franziska Giffey auf die tarifliche Situation von HeilpädagogInnen aufmerksam gemacht. Vor dem Hintergrund der Initiativen des Bundesfamilienministeriums für eine Verbesserung der Qualität und der Standards in der Kindertagesbetreuung verweist der BHP auf die besondere Bedeutung heilpädagogischer Fachkräfte für eine inklusive Kinderbetreuung und fordert eine stärkere Einbeziehung der Berufsgruppe in den öffentlichen Diskurs zur Fachkräfteoffensive in Kindertagesstätten und der Kinder- und Jugendhilfe.

Bei der aktuellen Debatte um eine qualitative Aufwertung der Kindertagesbetreuung und der „Fachkräfteoffensive Erzieherinnen und Erzieher“ werde die Bedeutung von HeilpädagogInnen für das Gelingen von inklusiven Strukturen in Kindertagesstätten und Einrichtungen der Kinder- und Jugendhilfe nicht ausreichend abgebildet, so der Verband. Um die Qualität in der Begleitung, Betreuung und Unterstützung aller Kinder, also auch solcher, die aus unterschiedlichsten Gründen von Behinderungen betroffen und/oder von Behinderungen bedroht sind, auszubauen und zu verbessern, benötige es nicht nur eine Aufstockung der Personalschlüssel und die sächliche und fachliche Ausstattung entsprechender Einrichtungen, sondern auch einer qualitativ und professionell angemessene Ausbildung der Fachkräfte wie ErzieherInnen und HeilpädagogInnen sowie deren angemessene Entlohnung. Dabei sei es insbesondere vor dem Hintergrund der gestiegenen Anforderungen an die Fachkräfte in Kindertageseinrichtungen und anderen Einrichtungen der Kinder- und Jugendhilfe wesentlich, ErzieherInnen und anderen Fachkräften eine qualitativ gute und umfassende Weiterbildung zur staatlich anerkannten HeilpädagogIn zu ermöglichen und damit die angestrebte Verbesserung der Qualität und der Standards zu gewährleisten.

Im Schreiben wird zudem auf die tarifliche Situation von HeilpädagogInnen verwiesen, die in keinem angemessenen Verhältnisse zur Ausbildungssituation stehe. Obgleich eine große Mehrzahl der Berufsangehörigen im Erstberuf ErzieherIn oder HeilerziehungspflegerIn sei und nach einigen Berufsjahren noch eine weitere mindestens 1.800 Stunden umfassende Ausbildung zur staatlich anerkannten HeilpädagogIn absolviert, fände sich dieser lange und intensive Bildungsweg von HeilpädagogInnen tariflich praktisch nicht wieder, argumentiert der Verband im Schreiben.

Der BHP setzt sich für eine tarifliche Aufwertung von HeilpädagogInnen im Tarifvertrag des öffentlichen Dienstes sowie in den Arbeitsvertragsrichtlinien der kirchlichen Anstellungsträger ein. Aus Sicht des BHP kann eine Fachkräfteoffensive im Bereich der Kindertageseinrichtungen und der Kinder- und Jugendhilfe nur gelingen, wenn damit auch eine materielle Verbesserung der Arbeitsbedingungen für Fachkräfte, insbesondere HeilpädagogInnen in diesen Tätigkeitsfeldern eingeht.

Weitere Informationen zum „Gute-Kita-Gesetz“ und der „Fachkräfteoffensive Erzieherinnen und Erzieher“:

www.bmfsfj.de/bmfsfj/themen/familie/kinderbetreuung

BHP Vorstand tagt und führt Fachgespräch

Foto (v.l.n.r.): Cornelia Künzel, Vera Knüppel, Sandra Kapinsky, Michaela Menth, Dr. Angela Ehlers, Heidi Fischer, Doris Albert, Prof. Dr. Simone Danz, Prof. Dr. Monika Willenbring, Dagmar Gumbert, Kai-Raphael Timpe.

Der Vorstand des BHP hat vom 17. bis 19. Mai 2020 getagt und sich im Rahmen der Vorstandssitzung zu einem Fachgespräch mit der Vorsitzenden des Verbands Sonderpädagogik e.V. (VDS), Frau Dr. Angela Ehlers sowie mit Frau Prof. Dr. Monika Willenbring von der Katholischen Hochschule Berlin (KHSB) getroffen. Ziel des Fachgespräches war ein offener Austausch zu den Zukunftsperspektiven von Heil- und Sonderpädagogik, insbesondere vor dem Hintergrund der Frage, ob es zukünftig vor allem eine inklusive Pädagogik geben wird. VDS und BHP haben weitere Gespräche und einen fortlaufenden Kontakt vereinbart.

Darüber hinaus stellte der BHP Vorstand auf der Sitzung die Weichen für die Aktivitäten des BHP in den nächsten Monaten. Dazu gehören unter anderem der Abschluss aller Planungen der 53. BHP Bundesfachtagung vom 22.– 24. November 2019 in der Berliner Urania, die europäische Vernetzungsarbeit in der Internationalen Gesellschaft heilpädagogischer Berufs- und Fachverbände (IGhB) sowie weitere vertiefte Kontakte zu Gewerkschaften und Arbeitnehmervertretungen der kirchlichen Anstellungsträger für eine tarifliche Aufwertung von Heilpädagoginnen und Heilpädagogen. Zudem wird sich der BHP insbesondere durch die Landesfachgruppen weiter in die Umsetzung des Bundesteilhabegesetzes einbringen und darüber hinaus im engen Austausch mit der Ständigen Konferenz von Ausbildungsstätten für Heilpädagogik in der Bundesrepublik Deutschland (STK) dazu beraten, wie die Ausbildung an Fachschulen und Fachakademien gestärkt werden kann.

Die nächste Sitzung des Vorstandes findet am 20./21. September 2019 statt.

BHP Unternehmer*innentag Heilpädagogik: Die Zukunft im Blick – Heilpädagogische Unternehmen am Markt

Vom 03. bis 04. Mai 2019 fand der BHP Unternehmerinnentag Heilpädagogik in Hannover statt. Etwa vierzig UnternehmerInnen waren der Einladung gefolgt und machten auch den diesjährigen Unternehmerinnentag zu einer Plattform intensiven fachlichen und unternehmerischen Austauschs.

Die bereits zum vierten Mal stattfindende Veranstaltung, die gemeinsam von der BHP Agentur und der Europäischen Akademie für Heilpädagogik (EAH) im BHP zur Vernetzung von heilpädagogischen UnternehmerInnen organisiert wird, beschäftigte sich in diesem Jahr besonders mit fachlichen und politischen Entwicklungen, die die Leistungserbringung von heilpädagogischen Unternehmen direkt betreffen. Ziel der Veranstaltung war es, Ideen und Handlungsstrategien für die Positionierung des eigenen Unternehmens am Markt miteinander zu diskutieren und in vielfältigen Vorträgen zu reflektieren.

Die Zukunft im Blick: Heilpädagogische Unternehmen am Markt

Begrüßt wurden die Gäste von der Behindertenbeauftragten für das Land Niedersachsen Petra Wontorra, die die Bedeutung von heilpädagogischen Anbietern für eine Anbietervielfalt ambulanter Eingliederungshilfeleistungen hervorhob. Der Vormittag stand dann im Zeichen der diagnostischen Arbeit von HeilpädagogInnen. Im Eröffnungsvortrag beleuchtete Frau Prof. Kristina Kraft die rehistorisierende Diagnostik als Ansatz, innere und äußere Isolationsbedingungen in ihren Wechselwirkungen zu erkennen und in ihrer destabilisierenden Auswirkung auf eine Person und das umgebende System zu betrachten. Im Anschluss vertiefte die Referentin Ulrike Seyfang das Thema heilpädagogische Diagnostik und stellte die Bedeutung einer ICF-basierten Hilfebedarfsermittlung heraus. Die Potenziale der Persönliche Zukunftsplanung sowie passgenauer personen- und sozialraumorientierter Unterstützungsarrangements für eine Erweiterung des Leistungsspektrums heilpädagogischer Einrichtungen und Praxen stellte Herr Prof. Stefan Doose in seinem Vortrag vor.

Aktuelle sozialpolitische Entwicklungen: Grundlagen und Herausforderungen für heilpädagogische Unternehmen

Ein wesentliches Kriterium für den Erfolg eines heilpädagogischen Unternehmens ist die vertragliche Grundlage mit den öffentlichen Leistungsträgern. Rüdiger Meier, Rechtsanwalt der Kanzlei Dornheim & Partner und langjähriger Kooperationspartner des BHP, verdeutlichte die Neuerungen, die sich durch die Herauslösung der Eingliederungshilfe aus dem SGB XII für ambulante Anbieter ergibt und stellte das ab 2020 wesentliche Vereinbarungsrecht für diese Leistungen im SGB IX vor. Aber auch das Vereinbarungsrecht im SGB VIII kam nicht zu kurz und war Gegenstand vielfältiger Fragestellungen im Plenum. Kai-Raphael Timpe, Geschäftsführer des BHP, vertiefte die Auseinandersetzung mit sozialpolitischen Entwicklungen und stellte die Position des Berufs- und Fachverbandes zu aktuellen fachlichen und berufspolitischen Themen dar.

Ressourcenschonung und eine Vereinfachung von Arbeitsprozessen stand dagegen im Vordergrund des Vortrages der Heilpädagogin und Referentin Susann Köstermenke: Sie stellte den Teilnehmenden die digitale Praxis als Alternative vor, um analoge Arbeitsabläufe und Praxisstrukturen zu optimieren, effizienter zu arbeiten und Zeit zu sparen. Den Abschluss der zweitägigen Fachtagung bildete der Vortrag von Reinhold Gravelmann, Referent beim AFET-Bundesverband für Erziehungshilfe, zum Thema Herausforderungen im pädagogischen Handeln mit unbegleiteten minderjährigen Ausländern.

Der BHP Unternehmerinnentag Heilpädagogik wird seit 2016 einmal im Jahr von der BHP Agentur und der EAH im BHP veranstaltet. Die zweitägige Fachtagung ist ein Angebot für heilpädagogische UnternehmerInnen, sich mit aktuellen Belangen des Unternehmertums auseinanderzusetzen und miteinander in den fachlichen und berufspolitischen Austausch zu gehen. Der 5. BHP Unternehmerinnentag Heilpädagogik wird voraussichtlich vom im kommenden Jahr vom 08. – 09. Mai stattfinden.

Informationen zum Programm vergangener und zukünftiger Tagungen finden Sie auf www.bhpagentur.de/bhp-unternehmertage/

Frühjahrssitzung des IGhB Exekutivkomitee in Luxemburg

Bild: Das IGhB Exekutivkomitee in Luxemburg.

Vom 26. bis 28. April 2019 richteten die KollegInnen des luxemburgischen Berufsverbandes ALPC (Association Luxembourgeoise des Pédagogues Curatifs) die Frühlingssitzung des Exekutivkomitees der IGhB aus.

Gäste dieser Sitzung waren Herr Dr. Georg Weiß, Leiter des Instituts für Heilpädagogik in Salzburg (www.salzburg.gv.at) als Vertreter der Österreichischen Heilpädagogischen Gesellschaft sowie Prof. Dr. Erik Weber, Fachbereich Heilpädagogik der Ev. Hochschule Darmstadt (www.eh-darmstadt.de/hochschule/), gemeinsam mit Ole Landsberg und Benedikt Müller, studentische Hilfekräfte der Ev. Hochschule Darmstadt, verantwortlich für die Präsentation der Ergebnisse der Pilotstudie Luxemburg im Rahmen des Forschungsprojektes der IGhB: Heilpädagogik im internationalen Vergleich. Wesentlichen Raum dieser Sitzungseinheit nahm am Freitag die IGhB interne Auswertung der luxemburgischen Pilotstudie mit den Auswirkungen für den luxemburgischen Verband und die Empfehlungen der Forschungsgruppe für das weitere Vorgehen der IGhB bezogen auf ein Gesamtprojekt zum tatsächlichen europäischen/internationalen Vergleich ein.

Am Samstagmorgen waren die am Projekt beteiligten luxemburgischen Kolleginnen und Kollegen und die Stakeholder, die für Interviews zur Verfügung standen, zur Präsentation der Ergebnisse zu Gast. Diskutiert wurden die Erwartungen an und die Ergebnisse der Pilotstudie und daraus abzuleitende Ideen und Anregungen.

Nach der öffentlichen Präsentation prägten dann Diskussionen um die Weiterführung des Projektes abhängig von personellen und finanziellen Ressourcen und die Frage der Weiterentwicklung der nationalen Berufsverbände hin zu Fachverbänden. Einigkeit herrschte im Gremium darüber, dass diese Fragestellungen einen Prozess auslösen, den wir aktiv gestalten wollen und müssen und der die IGhB kurz- und mittelfristig begleiten wird, auch, weil er möglicherweise die Gründungsperspektive der IGhB weitet, ergänzt, verändert.

Ein herzliches Dankeschön für die umsichtige und aufmerksame Gastfreundschaft an unsere luxemburgischen KollegInnen! Die nächste Sitzung der IGhB im Oktober dieses Jahres findet in Bratislava statt.

Aktuelle Ausgabe der BHP Fachzeitschrift erschienen!

Mitglieder des BHP haben sie bereits in ihrem Briefkasten gefunden: die neue Ausgabe der BHP Fachzeitschrift heilpaedagogik.de. Die Ausgabe 2/2019 erschien am 20. April und trägt den Titel „Professionsverständnis nachgefragt“.

Im Titelbeitrag der Ausgabe nimmt Dr. Martin Stahlmann aktuelle Tendenzen in der Praxis der Heilpädagogik unter die Lupe: In seinem Artikel wirft er einen kritischen Blick auf die Digitalisierung, Quantifizierung, Bürokratisierung und Verrechtlichung (heil)pädagogischen Handelns. Für die Rubrik „Professionsverständnis nachgefragt“ sprachen wir mit HeilpädagogInnen aus verschiedenen Handlungsfeldern und erhielten spannende Einsichten zu ihrem Verständnis der Profession und was für sie die heilpädagogische Arbeit ausmacht.

Die heilpaedagogik.de erscheint viermal jährlich und ist für Mitglieder des BHP kostenlos. Als Nichtmitglied können Sie die Fachzeitung abonnieren oder im Einzelheft erwerben. Weitere Themen der kommenden Ausgaben in diesem Jahr sind „Bundesteilhabegesetz konkret“ und „Themenheft Schule“.

Hier können Sie die heilpaedagogik.de Ausgabe 2/2019 erwerben.


Neu im BHP Verlag: Zulassen und Widerstehen. Heilpädagogisch Handeln durch Dialog – Bindung – Beziehung

Die Fachpublikation zur 52. Bundesfachtagung des BHP vereint vielfältige Beiträge aus der Lehre und Praxis der Heilpädagogik und beleuchtet die Themen Bindung und Beziehung aus unterschiedlichen fachlichen Perspektiven.

Titelcover des BHP Tagungsberichtes. Broschüre zum Themen Heilpädagogik und Beziehung
BHP Verlag: Titelbild des BHP Tagungsberichtes

Aus dem Inhalt:

Sybilla Breitenstein: Die dialogische Haltung – Kunst der Begegnung und der Zusammenarbeit

Prof. Dr. Simone Danz: Anerkennung von Abhängigkeit, Unvollständigkeit und Hilfebedürftigkeit – (Heil-)Pädagogisches Handeln als Menschenrechtsbildung

Prof. Dr. Éva Hédervári-Heller: Bindungsentwicklung von der frühen Kindheit bis in das Erwachsenenalter

Stephanie Jofer-Ernstberger: Halt geben ab der ersten Minute. Der Einsatz von haltgebenden und beziehungsorientierten Interventionen in der Heilpädagogischen Spieltherapie.

Florian Nüßlein: Zur Sensibilisierung und zum Umgang mit Schmerzen bei Menschen mit Komplexer Behinderung

Prof. Dr. Mone Welsche: Beziehung gestalten in und durch Bewegung mit dem Konzept der Beziehungsorientierten Bewegungspädagogik

u. v. m.!

ISBN:978-3-942484-36-7 | 156 Seiten | Preis: 15,00 €

Jetzt bestellen im BHP Verlag.

Internationaler Tag der Heilpädagogik: Im Gespräch mit Sandra Roth

Jedes Jahr am 13. April wird der Internationale Tag der Heilpädagogik begangen. Ziel des Aktionstages ist es, die Profession zu stärken und die Heilpädagogik in der breiten Öffentlichkeit darzustellen. Zu diesem Anlass sprachen wir mit Sandra Roth über inklusiven Schulunterricht, die Heilpädagogik und die Rahmenbedingungen für eine inklusive Gesellschaft.

Frau Roth, Sie haben über das Leben mit Ihrer Tochter zwei Bücher geschrieben. Im zweiten Buch „Lotta Schultüte: Mit dem Rollstuhl ins Klassenzimmer“ beschreiben Sie die schwierige Suche nach einer Schule, die ein inklusives Lernen für Lotta ermöglicht. Was waren die größten Schwierigkeiten?

Eine Schule zu finden, die Lotta will – und die sie auch fördern kann. In NRW hat man einen Rechtsanspruch auf einen Platz an einer inklusiven Schule, Lotta hat eine Fachkraft als Schulbegleiterin, wir hätten nicht gedacht, dass es so schwer werden würde. Ein Rektor einer inklusiven Grundschule hat uns gesagt: „Gewickelt wird hier nicht“, das sei die Grenze der Inklusion. Dabei hatte diese Schule bereits einen Aufzug und Sonderpädagogen und Ergotherapeuten im Team. „Nicht, dass Sie denken, ich will nicht – ich kann nur nicht“, hat er dann nachgeschoben. In einigen Schulen, die wir gesehen haben, hatten die Lehrkräfte offensichtlich Angst, dass wir unser Kind dort anmelden – warum? Was brauchen Lehrer, damit sie so erfolgreich inklusiv arbeiten können wie etwa die Erzieher in Lottas Kita? Denn natürlich möchte ich auch als Mutter keine Schule, die meine Tochter zwar aufnimmt, sie aber nicht bestmöglich fördert. Lotta ist kein Einzelfall, in vielen Schulen mangelt es an den Rahmenbedingungen. Es bräuchte insgesamt kleinere Klassen, größere und barrierefreie Klassenräume, verpflichtende Weiterbildungen für die Lehrenden, Doppelbesetzung. Die Lehrer können die schulische Inklusion nicht allein stemmen, sonst werden sie weiterhin Angst vor Kindern wie meiner Tochter haben. Gleichzeitig reichen Rahmenbedingungen alleine auch nicht, es braucht auch die Haltung, um sie mit Leben zu füllen. Ich wünsche mir Lehrer, die Lottas Neugier sehen, ihren Ehrgeiz und ihren Humor – und deren Blick nicht direkt am Rollstuhl abprallt.

Teilhabe und Inklusion sind gesamtgesellschaftliche Aufgaben und es braucht eine breite Akzeptanz, um sie umzusetzen. Wie kann man aus Ihrer Sicht eine solche Akzeptanz für inklusive Gesellschaftsstrukturen erreichen beziehungsweise steigern?

So lange jeder in seiner Nische lebt, wird es schwer mit der inklusiven Gesellschaft. Wir müssen uns begegnen können und uns kennenlernen. Sei es vermittelt über Bücher oder Artikel oder noch besser im richtigen Leben. Ich nehme meine Tochter überall mit hin, ins Konzert, auf die Skipiste, aufs Trampolin. Manchmal ist das kompliziert, weil etwa die Versicherungsrichtlinien keine Rollstühle vorsehen, aber es lohnt sich immer zu kämpfen. Beim nächsten Mal ist es dann schon etwas leichter und vielleicht plant der Veranstalter irgendwann sogar eine Rampe von vornherein mit ein. Wer einmal einen Rollstuhl die Treppe mit hochgetragen hat, der hat dann auch Verständnis dafür, dass eine Rampe nötig ist. Natürlich helfen dabei auch ausreichende finanzielle Mittel und zwar für alle. So lange Kinder in der Schule etwa nicht auf Toilette gehen, weil die zu eklig ist, so lange erscheint ein Umbau mit einem Aufzug als Luxus.

Am 13. April findet zum dritten Mal der Internationale Tag der Heilpädagogik statt. Was verbinden Sie mit dem Begriff Heilpädagogik?

Die Leiterin von Lottas Kita ist Heilpädagogin – bis heute prägt sie mein Bild von dieser Fachrichtung. Als wir Lotta anmelden wollten, hat sie sofort zugesagt, anders als alle anderen Kita-Leitungen, die nur die Probleme sahen. „Beim Regenbogen frage ich auch nicht, ob gelb unbedingt sein muss“, hat sie gesagt, „gelb gehört eben dazu.“ In der Kita wurde Lotta wunderbar gefördert, das hat mir gezeigt, wie gut Inklusion funktionieren kann. Alle Kinder wurden dort in ihrer Selbstständigkeit und Selbstbestimmung geachtet, auch Lotta, die aufgrund ihrer schweren Mehrfachbehinderung zum Beispiel nicht sprechen kann, blind ist und körperlich sehr stark eingeschränkt. Wir haben noch in der Kita mit Unterstützter Kommunikation angefangen und Lotta war überall dabei. So konnte sie beispielsweise wie die anderen Kindergartenkinder bei der Feuerwehr die Stange runterrutschen, nur eben auf dem Arm eines Feuerwehrmanns.

Die Heilpädagogik ist überall dort gefragt, wo Menschen jedes Alters aufgrund von sozialem Ausschluss, Beeinträchtigung oder (drohender) Behinderung vor Entwicklungs- und Teilhabebarrieren stehen. Welche Rolle nehmen soziale Berufe wie die Heilpädagogik in Ihrer Wahrnehmung bei dem Abbau gesellschaftlicher Barrieren ein? Glauben Sie, dass wir zukünftig mehr Fachkräfte brauchen oder vielleicht mehr ehrenamtliche Helfer, um inklusive Gesellschaftsstrukturen zu erreichen?

Menschen, die beruflich mit Kindern wie meiner Tochter zu tun haben, ob nun ehrenamtlich oder als Fachkraft, können zu so einem Scharnier zwischen den Welten werden, ähnlich wie ich und viele Eltern von Kindern mit Behinderung. Selbstverständlichkeit vorleben, Fragen beantworten, Barrieren sichtbar machen und beseitigen – je mehr Menschen das tun, desto besser, seien sie nun selber von Behinderung betroffen oder nicht. In dieser Rolle arbeiten wir natürlich daran, sie unnötig zu machen. Je enger die Welten zusammenrücken, desto weniger werden Vermittler gebraucht. Mein Ziel ist, dass meine Tochter ein selbstbestimmtes Leben führen kann – ohne mich als Dolmetscher.

Wagen wir einen Blick zwanzig Jahre in die Zukunft: Wie kann ein inklusives gesellschaftliches Zusammenleben einer heterogenen Bevölkerung zwischen Menschen mit unterschiedlichsten sozialen, kulturellen oder auch körperlichen Voraussetzungen gelingen?

Schauen wir nach Italien oder in die USA, wo die Inklusion schon seit den 70er-Jahren gesetzlich verankert ist, anders als bei uns. Allein eine konsequente gesetzlich vorgeschriebene Barrierefreiheit, wie beispielsweise in den USA, verändert eine Gesellschaft merklich. Wenn ich ganz selbstverständlich überall mit meiner Tochter hinein- und hinaufkomme, dann ist sie dort keine Ausnahme, sondern sehr viel öfter ein gewohnter Anblick. Dann reden Menschen mit ihr und nicht wie hier in Deutschland fast nur mit mir, die ich den Rollstuhl schiebe. Wirkliche Barrierefreiheit wäre aber nur ein kleiner Baustein, den wir hierzulande benötigen, um weiter auf dem Weg zur inklusiven Gesellschaft zu kommen. Andere Bausteine wären eine erfolgreiche Inklusion in der Schule wie im Arbeitsleben, bei Wahlen, beim Wohnen, bei der Freizeitgestaltung. Wenn wir uns begegnen, sei es im Museum, im Büro oder im Klassenzimmer, dann wächst mit jeder Begegnung und jeder Unterhaltung die Gesellschaft ein kleines Stück weiter zusammen. Allerdings sehen wir am Beispiel anderer Länder auch, wie weit der Weg noch ist und wie schnell es auch wieder rückwärts gehen kann, weg von der Inklusion hin zur Abschottung und Spaltung einer Gesellschaft. Ich fürchte leider, zwanzig Jahre werden nicht reichen, es wird auch keine Ziellinie geben, die wir überschreiten und für immer und ewig „inklusiv“ sind. Die Rahmenbedingungen für eine gelingende inklusive Gesellschaft zu schaffen, ist eine politische Aufgabe, sie mit Leben zu füllen, unser aller und das jeden Tag neu.

Frau Roth, vielen Dank für dieses Interview!

Foto: © Anké Hunscha www.photographie-hunscha.de

Buchtitel Sandra Roth „Lotta Schultüte“ im KiWi-Verlag

Sandra Roth, geboren 1977, studierte Politikwissenschaften und Medienberatung in Bonn, Berlin und den USA. Nach ihrem Diplom absolvierte sie die Henri-Nannen-Journalistenschule in Hamburg und arbeitet seitdem als freie Autorin, u. a. für Die Zeit, die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung und Brigitte. 2013 erschien ihr erstes Buch »Lotta Wundertüte« bei Kiepenheuer & Witsch. Sie lebt mit ihrem Mann und ihren zwei Kindern in Köln.