Was passiert, wenn Familien Unterstützung brauchen, aber zwischen Zuständigkeiten, Anträgen und unterschiedlichen Hilfesystemen den Überblick verlieren? Und welche Rolle können Verfahrenslots:innen dabei spielen?
Darüber spricht Jennie Cremer in der neuen Folge von „Irgendwas mit Menschen – der Heilpädagogik-Podcast“ mit der Heilpädagogin Janna Miller. Sie ist seit 2023 als Verfahrenslotsin im Kreisjugendamt Rosenheim tätig und begleitet junge Menschen und Familien dabei, sich in komplexen Hilfesystemen zu orientieren.
Im Mittelpunkt des Gesprächs steht die Schnittstelle zwischen SGB VIII und SGB IX und damit eine zentrale Frage der inklusiven Kinder- und Jugendhilfe: Wie können Unterstützungsangebote so gestaltet werden, dass Familien nicht von Zuständigkeit zu Zuständigkeit geschickt werden, sondern tatsächlich Orientierung und Begleitung erhalten?
Janna Miller beschreibt die Aufgabe der Verfahrenslots:innen mit einem anschaulichen Bild aus der Seefahrt: Lots:innen kennen die Gewässer, wissen um Untiefen und mögliche Wege und können eine Richtung aufzeigen. Am Steuer bleiben jedoch die Menschen selbst. Beratung bedeutet damit nicht, Entscheidungen abzunehmen, sondern Menschen dabei zu unterstützen, informierte Entscheidungen über ihren eigenen Weg zu treffen.
Beratung, Begleitung und Teilhabe
Im Podcast geht es auch darum, was die Beratung durch Verfahrenslots:innen von anderen Angeboten im Jugendamt unterscheidet. Themen wie Vertrauen, niedrigschwellige Beratung, verständliche Kommunikation und Partizipation spielen dabei eine zentrale Rolle. Gerade für Familien kann es herausfordernd sein, sich zwischen Diagnostik, Anträgen, unterschiedlichen Leistungsträgern und Unterstützungsangeboten zurechtzufinden. Verfahrenslots:innen können dabei helfen, Fragen zu sortieren, nächste Schritte zu planen und bei Gesprächen mit anderen Stellen zu begleiten.
Dabei wird deutlich: Inklusion beginnt nicht erst mit der Bewilligung einer Leistung. Sie beginnt dort, wo Menschen Zugang zu Informationen erhalten, gehört werden und ihre eigenen Anliegen und Entscheidungen in den Prozess einbringen können.
Verfahrenslots:innen als Impuls für inklusive Strukturen
Die Aufgabe der Verfahrenslots:innen beschränkt sich jedoch nicht auf die Beratung einzelner Familien. Ein weiterer wichtiger Teil ihrer Arbeit richtet den Blick auf die Strukturen selbst: Wo entstehen Versorgungslücken? Wo funktionieren Übergänge zwischen Hilfesystemen nicht? Und welche Veränderungen können dazu beitragen, Jugendhilfe inklusiver zu gestalten?
Janna Miller berichtet im Gespräch davon, wie Verfahrenslots:innen solche Lücken sichtbar machen und innerhalb der Jugendämter Impulse für Veränderungen geben können. Damit werden sie nicht nur zu Begleiter:innen im Einzelfall, sondern auch zu Ideengeber:innen für strukturelle Weiterentwicklung. Auch die Heilpädagogik kommt dabei in den Blick. Offenheit für Vielfalt, eine ressourcenorientierte Haltung, die Wertschätzung auch kleiner Entwicklungsschritte und die Bereitschaft, Menschen nicht nach einem festen Schema zu betrachten, können wichtige Kompetenzen an diesen Schnittstellen sein. Gleichzeitig betont Janna Miller, dass unterschiedliche berufliche und persönliche Erfahrungshintergründe für die Arbeit von Verfahrenslots:innen eine wichtige Ressource darstellen.
Jetzt die neue Podcastfolge hören
Die neue Folge unseres Heilpädagogik-Podcasts richtet sich an Heilpädagog:innen, Fachkräfte der Kinder- und Jugendhilfe und Eingliederungshilfe, Mitarbeitende in Jugendämtern sowie alle, die sich mit Inklusion, Teilhabe und der Weiterentwicklung von Hilfesystemen beschäftigen.
🎧 Jetzt reinhören:
Janna Miller, wie lotsen wir Familien durch komplexe Hilfssysteme?
Die Folge von „Irgendwas mit Menschen – der Heilpädagogik-Podcast“ gibt es auf unserer Webseite und auf allen gängigen Podcast-Plattformen.
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