D DenkRaum: Zur Notwendigkeit verstehender Zugänge in der heilpädagogischen Diagnostik
Heilpädagogische Diagnostik bewegt sich zwischen standardisierten Verfahren und verstehensorientierten Perspektiven. Normorientierte Diagnostik verstärkt oft einen defizitären Blick auf Personen, die bereits ableistischen Zuschreibungen ausgesetzt waren (vgl. Steffens 2024, S. 22). Eine verstehende Perspektive beschreibt Diagnostik als einen dynamischen Erkenntnisprozess, in dem alle Beteiligten dazulernen können.
Eine inklusive Perspektive richtet den Fokus nicht auf die Anpassung des Individuums, sondern auf die Veränderung sozialer und institutioneller Bedingungen zur Umsetzung von Inklusion. Ansätze wie die Rehistorisierung (vgl. Jantzen 2006) und die 360°-Perspektive (vgl. Danz 2024) beziehen das soziale Umfeld ein, um Teilhabeverhinderungen abzubauen. Entscheidend ist auch, dass nicht-behinderte Personen lernen, die von ihnen selbst mitverursachten Isolationserfahrungen und Teilhabebarrieren zu erkennen, abzubauen und pädagogische Handlungsmöglichkeiten zu erschließen.
Der DenkRaum diskutiert Wege zur Stärkung einer verstehenden Diagnostik, inklusive einer Neubewertung sozialer Machtverhältnisse, die die Diagnostiker:innen selbst mit einbezieht (vgl. Jantzen 2006).
Literatur:
Danz, Simone (2024): Die 360-Grad-Perspektive in der Diagnostik als Basis für soziale Inklusion. In: heilpaedagogik.de – Fachzeitschrift für HeilpädagogInnen und andere soziale Berufe, Heft 1/2024, S. 6-10.
Jantzen, Wolfgang (2006): ‚Es kommt darauf an sich zu verändern …‘ Methodologie und Praxis rehistorisierender Diagnostik und Intervention“ Gießen: Psychosozial-Verlag
Steffens, Jan (2024): Diagnostik und Inklusion? Die Rehistorisierung der sozialen Entwicklungssituation als Grundlage verstehender Perspektiven. In: heilpaedagogik.de – Fachzeitschrift für HeilpädagogInnen und andere soziale Berufe, Heft 1/2024, S. 22-26.